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Die Hölle auf Erden: Doppelkopfrunde | Zurück

Bild von Andre_Grunden auf Pixabay

Sie winken dich heran, sie laden dich ein. Sie bieten dir einen Platz in ihrer Runde an. „Ich? Wirklich?“ Sie klopfen dir jovial auf die Schulter. „Ja, willkommen!“ Du setzt dich. Du bekommst ein leckeres Kaltgetränk. Die Karten werden gemischt. Sie lachen. Und dann geht es los. Du hast keine guten Karten.

Irgendwie kommen dir deine drei Mitspieler und die eine Mitspielerin bekannt vor. Der eine sieht so ein bisschen aus wie Rolf Mützenich, der gegenüber wie Putin. Die links neben dir hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit Alice Schwarzer und der vierte Mitspieler sieht exakt aus wie der Papst. Und sie scheinen wichtig zu sein. Nacheinander springen sie auf und setzen ein Spiel aus, um zu telefonieren, wobei sie wild gestikulieren, außer der Papst. In jeder neuen Runde ist jemand am Telefon wichtig. Weswegen du ständig Karten bekommst. Du musst immer mitspielen. Keine Pause. Was, wenn du irgendwann mal austreten musst? Könnte ja sein, bei all den leckeren Kaltgetränken. Sie sorgen gut für dich. Das müssen sie auch. Würdest du die Runde verlassen, könnten sich nicht mehr telefonieren.

Was sie lautstark tun. Gerade springt wieder der Mützenich auf und keift in sein Telefon. Es fällt dir schwer, dich auf das Spiel zu konzentrieren. Was du aber unbedingt musst, denn der Putin gegenüber nutzt jede noch so kleine Schwäche sofort aus. Aber der Mützenich keift und keift, er schwafelt was von Friedenspartei und er will irgendwas einfrieren. Du verlierst das Spiel. Und entspannst dich, denn Putin verlässt kurz die Runde. Ein unangenehmer Mitspieler. „Nein, erst Transnistrien, dann ganz Moldau, dann Estland, Lettland und Litauen. In der Reihenfolge! Nein, die NATO ist mir scheißegal!“, schreit er in sein Telefon. Du verlierst schon wieder. Putin kehrt zurück. Jetzt telefoniert der Papst. Seine Stimme ist leise. Du hörst nur einzelne Worte. „Frieden“, sagt er mehrmals. Dann etwas lauter: „Schluss mit dem Irrsinn des Krieges!“ Und jetzt erzählt er was von einer „weißen Fahne“. Und schon wieder hast du das Spiel verkackt. Alice verlässt die Runde und scheint mit einer guten Freundin zu telefonieren. Sie klingt herzlich. „Diplomatie ist eine gute Idee“, sagt sie immer wieder. „Verhandlungen sind der einzige Weg.“ Dann seufzt sie. „Ja, das muss sofort gestoppt werden. Wenn es nach mir geht, keine einzige Patrone mehr.“ Und das Spiel ist wieder verloren. Der Mützenich springt auf. Es geht von vorne los.

Und du verlierst jedes weitere verdammte Spiel. Runde um Runde. Glücklicherweise spielen sie nicht um Geld. Oder spielen sie doch um Geld? Stecken sie sich unter dem Tisch gegenseitig Scheine in die Taschen? Du wirst es niemals herausfinden, denn das Spiel fordert deine gesamte Aufmerksamkeit. Es wäre so schön, zwischendurch mal zu gewinnen. Aber mit jeder neuen Runde verfestigt sich die Gewissheit, dass du in dieser Konstellation nur verlieren kannst. Und hättest du nur nicht darüber nachgedacht – deine Blase meldet sich. Doch plötzlich herrscht Unruhe. Es gibt ein großes „Hallo!“. Ein neuer Spieler gesellt sich zur Runde. Du wirst von deinem Platz entfernt, da sind plötzlich ein paar helfende Hände, die dich zur Seite zerren. Du bekommst eine Rechnung. Sie haben dir die Kaltgetränke gar nicht ausgegeben. Du hast nicht genug Geld dabei. Du bekommst einen Arschtritt. Während sie hinter dir den Neuankömmling freundschaftlich umarmen. Und der Typ hat Ähnlichkeit mit Donald Trump. Kaum zu glauben. Er mischt die Karten neu. Und plötzlich ist sie da, die schreckliche Gewissheit, dass mit dieser Runde nun wirklich alle endgültig verloren haben. Du wachst schweißgebadet auf. Die Hölle auf Erden. Wir sind alle sowas von am Arsch.

>> Text: JB
>> Bild: Andre Grunden / Pixabay.com

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