Sonntag, 14.07.2024
"Leben heißt Veränderung!", sagte der Stein zur Blume und flog davon

Magazin


Hochschul-News

Richtfest beim Forum Wissenschaftsreflexion
Baufortschritt des Forschungsbaus der Geistes- und Sozialwissenschaften in der hannoverschen Nordstadt wird gefeiert
weiterlesen

Mit Matrix Evolution zu langlebigen Implantaten
Verbund von Wissenschaftlerinnen der Leibniz Universität Hannover und der MHH erhält rund 1,5 Millionen Euro Forschungsförderung
weiterlesen

Preis für die Entwicklung der Hautkrebsdiagnostik
Kooperationsprojekt der Leibniz Universität Hannover und der Universität Rostock zur Hautkrebsfrüherkennung erhält Auszeichnung
weiterlesen

75 Jahre Grundgesetz
Am 12. Juni 2024 spricht Peter Müller, Richter a.D. des Bundesverfassungsgerichtes und ehemaliger Ministerpräsident des Saarlandes, an der Leibniz Universität Hannover
weiterlesen

Der Hochschulvergleich: Leuphana Universität Lüneburg | Zurück

Angeregt durch einen Auftrag des niedersächsischen Landtags, Universität neu zu denken, fusionierte die Universität Lüneburg 2005 mit der Fachhochschule Nordostniedersachsen zur Leuphana Universität. Das Studienmodell, das sich über drei Schools und fünf Fakultäten erstreckt, ist vielfach ausgezeichnet und in dieser Form in Deutschland einzigartig. Tobias Ohlemann aus der Region Hannover ist für sein Psychologiestudium nach Lüneburg gezogen und inzwischen im dritten Semester an der Leuphana Universität immatrikuliert.

Zentralgebäude_Leuphana_cDanielSumesgutner_Tobi_cTillBrüggemann

Warum hast du dich gerade für diese Uni entschieden?
Ich wollte Psychologie studieren und dafür braucht man an der Leuphana nicht unbedingt einen 1,0-Schnitt, weil es einen hauseigenen Eignungstest gibt. Bei dem Test sind maximal 24 Punkte zu erreichen und man kann damit sozusagen seine Abi-Note aufbessern, weil die Punkte on top angerechnet werden – genauso wie ein Auslandsjahr, eine abgeschlossene Ausbildung oder Ähnliches. Dieser Test ist quasi nichts anderes als eine Art Intelligenztest. Weil mein Studiengang im Hauptteil auf Englisch ist, schreibt man den auf Englisch. Man muss Graphen lesen und Aussagen dazu als wahr oder falsch beantworten, Fantasiesprachen erkennen – das ist im Grunde einfach Mustererkennung – und am Ende noch auf Zeit Daten aus einer Tabelle auswerten. Das Ganze geht ungefähr 1,5 Stunden und danach ist man echt fertig, aber so können sich halt Leute unabhängig vom Abi-Schnitt qualifizieren.

Hebt sich das Konzept der Leuphana noch auf andere Art und Weise von dem anderer Unis ab?
Auf jeden Fall. Zuerst ist Nachhaltigkeit ein ganz großes Ding. Das fängt schon bei den Studiengängen an, zum Beispiel Global Environmental and Sustainability Studies, Nachhaltigkeitswissenschaften und Raumwissenschaften. Außerdem bietet die Uni das amerikanische System mit Major und Minor an, also Hauptfach und Nebenfach. Aber bevor es damit richtig losgeht, muss jeder Ersti das Leuphana-Semester durchlaufen. Im ersten Semester hat man nur zwei Module aus seinem eigentlichen Hauptfach, und das Nebenfach spielt noch gar keine Rolle. Im Leuphana-Semester belegt man drei verschiedene Module, die sich mit dem wissenschaftlichen Arbeiten auseinandersetzen. Alle müssen mit Python das Data-X-Modul durchlaufen und verschiedene Seminare besuchen. Ich hatte zum Beispiel eins zu nachhaltiger Landwirtschaft, eins, das hieß „Von Tinder, Reddit und Onlyfans“ und eins zum Thema Pornografie und Gesellschaft. Wenn das durch ist, studiert man eher wie an einer klassischen Uni. Aber man kann definitiv sagen, dass die Leuphana gerne aus der Masse hervorsticht. Auch baulich.

Inwiefern?
Die Leuphana besteht eigentlich nur aus ehemaligen Nazi-Kasernen. Das ist schon mal ungewöhnlich. Nur das Aushängeschild, das Hauptgebäude, ist komplett neu und wurde erst in den letzten Jahren fertiggestellt. Das ist ein Gebäude ohne rechte Winkel und wirklich beeindruckend. Es gibt tatsächlich nur wenige Tage, an denen nicht irgendeine Touri-Gruppe über den Campus läuft und sich das anguckt (lacht).

Und gefällt es dir dort? Fühlst du dich wohl?
Ja. Auch, wenn man manche gerne mal in dieses Schema verfallen, sich über das Leuphana-Semester zu ärgern oder sich über das Image der Uni lustig zu machen, würde ich mich realistisch gesehen darüber hinwegsetzen und sagen, dass die Leuphana eine gute Uni ist. Sie bietet sehr viel Forschung und eine hohe Lehrqualität. Es gibt tolle Professoren und Professorinnen, die wirklich gut vermitteln, was man lernen soll und will. Und, was mir immer wieder auffällt und was leider nicht an jeder Uni so ist: Es herrscht ein sehr, sehr kooperatives Studieren. Es gibt dort keine Leute, die ihre Notizen für sich behalten, weil sie bessere Noten als die anderen wollen. Es wird sehr viel in Gruppen gearbeitet, in Seminarräumen tauscht man sich mit anderen aus und kann immer auf Hilfe zählen. Das gefällt mir sehr und das hat mir in meinem Studium auch schon echt weitergeholfen.

Abgesehen von den Lehrangeboten: Was kann man an der Leuphana und in Lüneburg erleben?
Man muss wissen, dass Lüneburg echt klein ist – ungefähr 80.000 Einwohner, glaube ich. Aber es ist eine total süße und schöne Stadt. Es gibt super viele Parks, die Mensa-Wiese ist toll, es gibt viele Cafés und Kneipen und überall sind Studierende. Vor allem im Sommer ist es wirklich toll. Im Winter kann man halt nicht wirklich viel machen. Es gibt den Salon Hansen, da ist ab und zu mal was los. Und den Stint, die Stintstraße, dort sind noch so ein paar Clubs und Bars, wo dann am Spritwoch doch mal was geht. Aber es ist nicht mit einer Großstadt zu vergleichen. Wem aber nach Großstadt ist, der kann in 35 Minuten am Hamburg-Hauptbahnhof sein und dann zum Beispiel auf den Kiez gehen. Ansonsten ist das Hochschulsport-Angebot echt super: Es gibt ein Fitnessstudio auf dem Campus, ganz viele Sportkurse unter der Woche, eine Skifahrt, Kanufahren und Stand-Up-Paddling und mittlerweile kann man sogar eine Golfplatzreife machen.

Wie sieht es mit Studi-Partys und ähnlichen Angeboten aus?
Das ist sehr Studiengang-spezifisch, würde ich sagen. Ich bin Mitglied der Fachschaft Psychologie und wir bieten zum Beispiel einen Ersti-Tag. Wie haben letztes Jahr eine Stadtrallye auf die Beine gestellt, bei der sich die Leute untereinander kennenlernen konnten. Und wir sind über ein Wochenende alle zusammen nach Schneverdingen gefahren, haben eine Heide-Wanderung gemacht, eine Art Olympiade veranstaltet, haben Flunky-Ball gespielt und solche Geschichten. Dann organisieren wir noch eine Weihnachtsfeier und eine große Party im Sommer. Aber wir planen nicht nur Events zum Saufen (lacht). Wir hosten zum Beispiel auch Psyched Up, ein Event, zu dem alle Psychologie-Studierenden eingeladen sind und bei dem die Profs sich und ihre Forschungsprojekte vorstellen. Da gibt’s auch immer was Leckeres zu essen. Letztes Jahr hat uns zum Beispiel Subway gesponsert.

Das klingt alles in allem sehr vielversprechend. Du würdest die Uni also weiterempfehlen?
Klar. Habe ich auch schon. Die Leuphana ist einfach anders als die Unis, die es in jeder anderen deutschen Stadt gibt, und das finde ich ziemlich cool. Man kann hier ‘ne Menge lernen und ‘ne Menge erleben. Und ich rede ja die ganze Zeit hauptsächlich von Psychologie. Es gibt dazu ja noch ganz viele andere tolle Angebote. Wenn man der Uni nach dem Leuphana-Semester ein bisschen Zeit gibt, dann kann man sich hier wirklich gut bilden, gut weiterbilden, sich wohlfühlen und auch sozial echt glücklich werden.

>> Interview: Laura Druselmann
>> Bilder: Daniel Sumesgutner, Till Brüggemann

Rahmendaten:
9696 Studierende (Stand WiSe 22/23)
2460 Lehrende und Hilfskräfte
5 Fakultäten
7 Akademische Einrichtungen
8 Forschungszentren
Studiengebühren: 321 Euro pro Semester in regulären Bachelor- und Master-Studiengängen

Zurück
@ Stadtkind Verlag 2024 | Realisation: bw Hannover